9. Ehepost

Verliebt, verletzt versöhnt

Ehe: die Gründung einer Gesellschaft für Konfliktforschung.

Wolfram Weidner

Eigentlich möchte man ja immer miteinander glücklich sein, und doch passiert es: eine Meinungsverschiedenheit, eine Diskussion – und plötzlich wird daraus Streit. Ganz schnell tritt dann der eigentliche Anlass in den Hintergrund, statt Zuzuhören gibt es Vorwürfe, statt Verständnis Verärgerung und Enttäuschung.

Das kann passieren, es ist nicht der Weltuntergang. Und das bedeutet ja auch nicht, dass ihr keine gute Partnerschaft hättet. Wichtig ist, dass ihr euch beide wieder um den anderen und um eure Beziehung bemüht, rechtzeitig: Wenn ihr in Zorn geratet: Versöhnt euch wieder und lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn. Das schreibt Paulus schon im ersten Jahrhundert nach Christus und das ist kein schlechter Tipp!

Versöhnen muss nicht heißen, dass das Problem dann gelöst ist. Versöhnung heißt: wir versichern uns (wieder) unserer gegenseitigen Liebe und Achtung, trotz gegensätzlicher Meinungen.

Viele Themen werden in eurer Partnerschaft ihr Konfliktpotenzial behalten. Ob es das sehr unterschiedliche Bedürfnis nach Nähe und Zusammensein, eine gegensätzliche Einstellung, was Kindererziehung angeht, die völlig verschiedene Haltung zu Risiko und Sicherheit oder etwas ähnliches ist: hier geht es um Grundsätzliches, das euch selbst und euren Partner oder eure Partnerin ausmacht! An den daraus entstehenden Konflikten könnt ihr euch entweder aufreiben, oder eine Möglichkeit finden, damit zu leben. Ein erster Schritt kann sein, diese Eigenart, diesen Charakterzug des Partners oder der Partnerin zu akzeptieren – als Teil des geliebten Menschen. Vielen Paaren hilft eine gute Portion Humor dabei, auch die manchmal anstrengenden Eigenschaften des anderen auszuhalten.

Wenn ihr das allein nicht schafft, sucht euch Hilfe! Eine Eheberatung aufzusuchen ist keine Schande, sondern eine sinnvolle Investition in eine bessere gemeinsame Zukunft! Eheberatungsstellen findet ihr unter: www.katholische-eheberatung.de

Liebe macht stark – und zugleich verletzlich. Gerade weil ich dem Menschen, den ich liebe, so nahe bin, tut es doppelt weh, von ihm verletzt zu werden. Und niemandem kann man so sehr schaden, wie der Person, die einen liebt. Das ist in Beziehungen unvermeidbar, so tragisch das scheint.

Doch liegt darin auch Hoffnung: dass die Liebe stark genug ist, Verletzungen zu überwinden. Denn auch wenn es sich im ersten Schmerz anders anfühlt, entstehen doch die allermeisten Kränkungen nicht bewusst oder aus böser Absicht. Dennoch belasten sie die Beziehung, oft dauerhaft.

Da reicht es nicht, wenn der Verursacher um Entschuldigung bittet (was schwer genug fallen kann) – sie muss auch gewährt werden (und das kann noch schwieriger sein)!

Dabei geht es nicht um vergeben und vergessen, denn einfach Auslöschen lässt sich eine große Verletzung nicht. Verzeihen heißt nicht vergessen, und Wiedergutmachen lässt nicht alles ungeschehen sein. Aber wenn ein Partner dem anderen verzeiht, verzichtet er darauf, die Verletzung, das Unrecht immer wieder ins Spiel zu bringen. Er verzichtet auf das Recht, alte Rechnungen einzulösen. Eine Beziehung ist kein Konto!

Verzeihung zu schenken bleibt wahrhaft ein großes Geschenk! Und wahre Geschenke haben keine Bedingungen. Ähnlich wie Gottes Liebe: Die gibt es ganz umsonst und vor allem bedingungslos. Wir alle leben davon, dass er uns nichts aufrechnet. In dieser größeren Perspektive wird es vielleicht tatsächlich leichter, der Liebe und nicht der Verletzung den Vorrang zu geben.

Ein kleines Glück
Lass uns zusammen ein Stück gehen,
schenk mir ein bisschen Zeit,
erzähl mir deine Geschichte dir das Leben
für dich schrieb, erzähl mir
Alles, wenn du mit mir zurück siehst.

Hast du das Glück für dich gefunden?
Was war dein schönster Augenblick?
Bei dem dein Herz sich voller Zauber noch heute überschlägt
und du lächelst wenn du mir davon erzählst.
Ich finde schön ein kleines Stück mit dir zu gehen.

Ich würd so gern die Welt durch deine Augen sehen,
deine Träume und Gedanken durchleben und verstehn
Ich würd so gern die Welt mit deinen Augen sehn aus deinen
Leben will ich lernen, meinen Weg zu gehen.

Ich leg den Blick auf deine Worte,
und finde schön dir zuzuhören.
Du zeigst mir das ein kleines Glück die Gezeiten übersteht
der Moment für immer unsterblich ist.
Ich finde schön, ein kleines Stück mit dir zu gehen.

Ich würd so gern die Welt durch deine Augen sehen,
deine Träume und Gedanken durchleben und verstehn
Ich würd so gern die Welt mit deinen Augen sehn aus deinen
Leben will ich lernen, meinen Weg zu gehen.

Lass uns ein Stück zusammen gehn.
Ich geb mich deinen Worten hin.

Ich trag deine Worte in mir.
Und jeden schönen Augenblick.
Jeder Moment ist unentbehrlich
ganz egal wie klein er ist.
Ich finde schön ein kleines Stück mit dir zu gehen

Helene Fischer

Versöhnungsritual
Was passiert, wenn mein Partner oder meine Partnerin sagt: Du hast mich verletzt! – Versuche ich mich zu rechtfertigen? Bitte ich um Entschuldigung? Kommt es vielleicht sogar zu einem weiteren Streit?

Wichtig ist, dass ich anerkennen kann, dass ich an der Verletzung schuld bin, dass ich sie verursacht habe – auch wenn es keine Absicht war. Dann kann folgendes Ritual helfen, einen Neuanfang zu machen (Achtung! Das funktioniert nicht einfach – das muss man schon wirklich so meinen wie man es sagt! Natürlich funktioniert es genau so gut, wenn ihr eure eigene Formulierung dafür nutzt):

Partner 1
Ich höre und erkenne an, dass ich dich mit ….... verletzt habe. Das war mir nicht bewusst.
Es tut mir leid und ich bedauere es!

Partner 2
Ich sehe und höre, dass du anerkennst, dass du mich damit verletzt hast, und dass es dir leid tut.
Ich bin bereit meine Verletzung loszulassen. Ich werde in Zukunft bei Auseinandersetzungen nicht mehr darauf zurückkommen.

Beide
Lass uns befreit davon einen neuen Anfang machen.

nach Hans Jellouschek

Buchtipp: Wie Partnerschaft gelingt, Spielregeln der Liebe, Verlag Herder

Vom geliebten Menschen enttäuscht
Gott, du weißt, warum er mir das angetan hat.
Warum hat er mich so behandelt?
Warum hat er mich so zutiefst verletzt?
Er weiß doch genau, wie ich mich jetzt fühle.
Ich kann an gar nichts anderes mehr denken.
Ich bin zutiefst traurig und enttäuscht.
Und ich dachte immer,
wir wären durch so etwas wie
Freundschaft verbunden.
Das Schlimmste ist, dass sich meine
Trauer und Enttäuschung
auch auf meine Mitmenschen auswirkt.
Gott, du bist ein Gott der Liebe und des Friedens.
Hilf uns beiden, dass wir wieder
aufeinander zugehen und miteinander reden,
dass wir wieder in Frieden und
Freundschaft miteinander umgehen können.
Zeige uns den Weg zu einem neuen Miteinander.
Du weißt, es liegt mir wirklich sehr viel daran.

Margarita Gröting