3. Ehepost

Partnerschaft, Familie, Beruf und was sonst noch zählt

Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die du immer tun wolltest. Tu sie jetzt.

Paulo Coelho

Wer jemals versucht hat, eine Wippe ins Gleichgewicht zu bringen, weiß, wie schwierig das ist. Wird die eine Seite zu schwer, kippt die Wippe in die andere Richtung und führt, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird, zu einer recht unsanften Landung.

Nicht anders verhält es sich beim alltäglichen Zusammenwirken von Privat- und Arbeitsleben. Ein Zuviel auf der einen Seite, führt zu einem Zuwenig auf der anderen, mit allen Konsequenzen. Da stellen dann die körperlichen Blessuren nur einen kleinen Teil der Verletzungen dar.

Die Herausforderung im Beziehungsalltag ist groß: der Wunsch nach finanzieller Sicherheit, nach Unabhängigkeit, Erfolg und beruflichem Weiterkommen und gleichzeitig nach einem erfüllten Liebes- und Familienleben, gepaart mit sportlichen Aktivitäten und ähnlichem mehr – das klingt nach der Quadratur des Kreises und einem gewaltigen Spagat.

Dieser Spagat ist nicht einfach zu bewältigen, vor allem dann nicht, wenn einer der beiden Partner gerade unter einer großen Belastung steht, Kindergeschrei die Nächte verkürzt, Eltern und Schwiegereltern mit ihren Wünschen und Erwartungen anklopfen oder der Arbeitsplatz für Stress sorgt.

Hier kommen Paare immer wieder an ihre Grenzen, nicht nur die jung verheirateten, denn keine Situation gleicht der anderen. Ausgeschlafen erscheint eine anstehende Renovierung einfacher zu bewältigen als nach mehreren durchwachten Nächten. Auch Probleme mit den Kollegen sind besser zu verkraften, wenn der Haussegen gerade nicht schief hängt. Und Phasen gesundheitlicher Einschränkung mindern sowohl im Privaten, wie am Arbeitsplatz die Leistungsfähigkeit und erhöhen die Empfindsamkeit. Da steht die Partnerschaft dann auf dem Prüfstand.

Auch die in den letzten Jahren zunehmenden Wahlmöglichkeiten stellen oft eine zusätzliche Herausforderung dar: ob Teilzeit oder doch eher Vollzeit, ob Elternzeit für beide oder doch nur für sie; oder auch, er Hausmann, sie berufstätig ...

Gerade für ein junges, noch kinderloses Paar kann bei der Fülle an Angeboten und Möglichkeiten die Auswahl, welcher Weg der richtige ist, ganz schön schwierig werden.

Hilfreich ist, wenn jeder, Frau wie Mann, sich zunächst über die für sie wichtigsten Dinge klar wird und in einer Liste festhält. Das können sein: Erwartungen an die Partnerin, den Partner, gemeinsame Zeit, kleine Aufmerksamkeiten, aber auch die eigene berufliche Weiterentwicklung, Beibehalten alter Freundschaften, usw.

Beim anschließenden Abgleich kann deutlich werden, wo die Übereinstimmungen sind und zu welchen Themen es Gesprächsbedarf gibt.

Das geht dann nicht ohne Abstriche, birgt aber gleichzeitig die Chance, eigene, ungeahnte Fähigkeiten zu entdecken und neue gemeinsame Erlebnisbereiche zu erschließen.

Wenn Paare, die schon lange verheiratet sind, aus ihren ersten Jahren berichten, lässt sich unschwer erahnen, dass das Temperament manchmal eine große Rolle spielt: wenn er von ihr das Tapezieren oder sie von ihm das Bügeln gelernt hat, wenn sie nächtelang diskutiert haben, wer als erstes den Berufsabschluss macht, wer Elternzeit nimmt, wer Karriere macht oder auch nicht. Dann gilt es, sich zu entscheiden.

Vielleicht sind folgende Tipps hilfreich:

  • Setzt eure Beziehung an die erste Stelle
  • Geht eure Beziehung jeden Tag neu an.
  • Seid mutig und offen für neue Wege.
  • Durchbrecht alte Muster und  trennt euch von Dingen, die eure Beziehung behindern.
  • Traut euch, gegen den allgemeinen Strom zu schwimmen.
  • Erhaltet euch eure Spontaneität und bleibt phantasievoll und kreativ.
  • Seht stets auch mit dem Herzen auf eure Partnerin, euren Partner.
  • Und holt euch himmlischen Beistand im und für euren Alltag.

Es gibt kein Rezept aus der Apotheke, das sagt: Man nehme und alles wird gut. Aber es gibt hilfreiche, im Alltag wirksame, Werkzeuge.

Dazu gehören:

  • Einräumen: Zeit füreinander und Oasen für die Liebe schaffen
  • Rückbesinnen: Was verbindet uns?
  • Klären: Was steht für uns, für dich, für mich an erster Stelle? Was ist das Wichtigste in unserem, deinem, meinem Leben?
  • Nachdenken: Wie wichtig ist für jeden von uns der Beruf? Wie wichtig die Beziehung/Familie?
  • Besprechen: Was wollen wir zusammen erreichen? Wie stellen wir uns ein Leben mit oder auch ohne Kinder vor?
  • Ermutigen: Das verleiht uns Stärke und hilft uns, schwierige Situationen zu bestehen – als Paar, als Eltern.

Einen Weg wählen heißt andere Wege aufgeben. (Paul Coelho)

Habt ihr euer Leben schon mal auf eine Waagschale gelegt? Nein? Dann versucht es doch einfach mal. Sucht im Internet nach einer Bauanleitung für eine Waage, die euch gefällt und brauchbar erscheint, und startet mit dem Experiment:

1. Schritt: Jeder Partner für sich. Auf der einen Seite sammelt ihr Zettel mit dem, was euch wichtig ist, auf der anderen Seite, die Zwänge, denen ihr in eurem Alltag, in Familie und Beruf unterliegt. Und dann versucht ihr durch Verlagerung der Gewichte euer Leben in eine Balance zu bringen. Am Ende erklärt ihr euch gegenseitig, zu welchen Erkenntnissen ihr gelangt seid.

2. Schritt: Jetzt durchlauft ihr den Prozess noch einmal, aber diesmal gemeinsam unter der Fragestellung, was euch in eurer Beziehung wichtig ist, welchen Zwängen ihr unterliegt und wie euch die Waage durch Weglassen von Gewichten bzw. Einbringen von neuen ins Gleichgewicht bringen könnte.

3. Schritt: Ihr fasst eure Erkenntnisse in drei Sätzen auf einer Pinnwand oder einer Korktafel zusammen. Je ein Satz jeweils für jeden Partner, und ein Satz für eure Beziehung.

4. Schritt: Jeden Morgen schaut ihr gemeinsam auf eure Tafel und überprüft, ob ihr noch euren Erkenntnissen folgt bzw. was euch aus dem Tritt gebracht hat.

5. Schritt: Nach einer von euch vereinbarten Zeitspanne holt ihr wieder die Waage hervor und startet euer Experiment von vorne.

Guter Gott,

gib du uns die Kraft, die Aufgaben zu bewältigen, die täglich auf uns warten.
Schenke uns die Zuversicht, dass wir gemeinsam die uns gestellten Herausforderungen mit deiner Hilfe bewältigen können.
Öffne unsere Augen und Ohren, damit wir in unserem Alltag den Blick füreinander bewahren,
lass uns immer wieder neu einander suchen und finden,
und das Wesentliche in unserem gemeinsamen Leben nicht verlieren.
Amen

Ursula Sottong