12. Ehepost

Wer bin ich und wenn ja wie viele

Eine Familie ohne Traum ist gar nicht möglich

Papst Franziskus

Sei der Mensch, als der du von Gott gedacht bist, und du wirst die Welt in Brand setzen. Mit diesen Worten eröffnete Dr. Richard Chartres, der Bischof von London, am 29. April 2011 die Predigt anlässlich der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton.

Das bedeutet: Jeder Mensch ist von Gott her in bestimmter Weise gedacht. Diese Idee, die Gott von jedem einzelnen Menschen hat, nennt sich Berufung. Derjenige, der seine Berufung entdeckt und sie lebt, kann großes vollbringen – das macht das Zitat deutlich. Dessen Leben ist sinnvoll und erfüllt.

Der Bischof von London zeigt in seiner Predigt weiter auf, dass die Ehe ein Weg sein kann, in dem Mann und Frau sich gegenseitig dabei helfen und unterstützen, immer mehr diejenigen zu werden, als die sie von Gott gedacht sind. Auf diese Weise werden sie immer mehr zu ihrem wahren Ich.  

Diese royale Predigt hat die ganze Welt gehört. So wird schon in den ersten Sätzen deutlich, dass Berufung nicht nur etwas für bestimmte Menschen wie Priester oder Ordensleute ist, sondern dass jeder Mensch als Geschöpf Gottes eine Berufung hat. Die ist jedoch höchst individuell und muss im Laufe eines Lebens immer mehr entdeckt und gelebt werden. Ehepartner, die sich lieben und füreinander da sind, können sich dabei unterstützen. Weil sie einander liebevoll in den Blick nehmen – genau so, wie Gott einen jeden Menschen anschaut.

Indem sie gegenseitig das Beste aus sich heraus lieben, können sie auch ihre Berufung als Paar entdecken. Denn ein Ehepaar ist mehr als die Summe seiner Teile. Im Zusammensein von zwei Menschen, die einander lieben und den jeweils anderen dabei unterstützen, immer mehr zum wahren Ich zu werden, entsteht etwas Neues und Einzigartiges. In vielen Ehen ist das ein Kind – als sichtbarstes Zeichen, aber auch darüber hinaus entsteht durch liebende Paare Einzigartiges, das die Welt verändert.

Was die gemeinsame Berufung, was ihr Output ist, das ist genauso zu finden, wie die persönliche Berufung: Indem man sich selber und seinen Partner immer besser kennen lernt, indem man entdeckt, was alles in einem steckt. So kommt man dem auf die Spur, was Gott für einen gedacht hat. Dabei sind Träume, Visionen und Spinnereien ein wichtiges Hilfsmittel, denn sie eröffnen einen Raum, in dem man sich nach dem strecken kann, was man erreichen möchte.

Viele Heilige haben in Träumen und Visionen ihre je eigene Berufung erst entdeckt und daraufhin ihr Leben geändert. Visionen machen Lust auf Veränderung und helfen, dem Leben in Fülle auf die Spur zu kommen. Denn das Leben der eigenen Berufung – auch als Paar – bedeutet immer unterwegs zu sein, sich zu verändern, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Es gilt also, nicht, wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, sondern derjenige, der keine Visionen hat, sollte sich wegen Trost- und Fantasielosigkeit untersuchen lassen. Wer keine Idee davon hat, wohin es gehen soll im Leben, dem tut es gut, sich  – alleine oder als Paar – für das zu öffnen, was Gott sich für einen gedacht hat. Das ist immer groß und belebend und macht das Leben lebenswert.

Ich will euch zwei Elemente als Rat mit auf den Weg geben:

Das erste ist, die Träume lebendig zu halten. Träume dürfen niemals betäubt werden. Hier ist Anästhesie verboten!

Wie wir im Evangelium hören, teilt sich Gott selbst bisweilen durch Träume mit. Aber vor allem fordert er dazu auf, große Träume zu verwirklichen, auch wenn es schwierig ist. Er drängt uns, niemals aufzuhören, Gutes zu tun, und niemals den Wunsch aufzugeben, große Projekte zu verwirklichen.

Ich stelle mir gern vor, dass Gott selbst auch in diesem Augenblick für jeden von uns Träume hat. Ein Leben ohne Träume ist Gottes nicht würdig.

Papst Franziskus 

Gemeinsam Visionen entdecken – aus der Zukunft lernen

Vision ist ein ganz schön großes Wort. Gar nicht mal so einfach auf so etwas zu kommen. Mal eben eine Vision aus dem Ärmel schütteln? Schön wär’s!

Wenn es um ihre Ziele und Visionen geht, stellen sich viele die Fragen: Wo stehen wir gerade und wo wollen wir von da aus hinkommen?

Eine Vision ist aber eigentlich etwas anders. Hier sollt ihr euch eine Wunschsituation in der Zukunft in den buntesten Farben ausmalen und dann überlegen, wie der Weg dorthin aussehen kann.

Lasst euch doch mal auf folgendes Gedankenspiel ein: Stellt euch vor, es wäre jetzt fünf oder zehn Jahre später und eure Ehe wäre genauso wie ihr sie euch wünscht – quasi perfekt. Wie ist sie dann? Wie lebt ihr? Wo? Was macht ihr viel? Was macht ihr wenig? Womit beschäftigt ihr euch? … Schreibt das alles auf.

Und dann geht ihr von diesem Idealzustand aus rückwärts: Wenn alles so gut ist, was habt ihr dann vermutlich direkt davor gemacht? Welche Entscheidungen habt ihr in den Wochen und Monaten davor getroffen? Welche Schritte seid ihr direkt davor gegangen? Und was habt ihr davor gemacht? Und was davor? Und davor?... So entsteht nach und nach der Weg zu eurer ganz persönlichen Vision.

Wir sagen Gott Dank,
weil er die Stimme ist,
die ruft und Mut macht zur Antwort;
weil er der Hirte ist,
der vorangeht und die Treue eines jeden Tages stützt;
weil er Weg, Wahrheit und Leben für alle ist,
die gerufen sind,
den Plan des Vaters in sich zu verwirklichen.

Deutsche Bischofskonferenz