11. Ehepost

Ein Hoch auf die Freundschaft

Unter Freunden geht das klar

Gloria

Caro und Benedikt ziehen zusammen nach Frankfurt. Endlich! Nachdem Caros Job in Frankfurt schon lange fix war, hat Benedikt jetzt einen in Mannheim gefunden. Dorthin kann er bequem pendeln. Beide wohnen jetzt zusammen in einer Stadt und haben ihre Traumjobs. Perfekt!

Nun ja, fast. Denn außer sich kennen die zwei eigentlich niemanden in Frankfurt. Beide kommen aus dem Rheinland. Die guten Freundinnen und Freunde wohnen weit weg. Und ihre Traumjobs rauben Caro und Benedikt viel Zeit und Energie. Abends noch loszuziehen und neue Leute kennenzulernen? Da wirken ein paar Folgen Game of Thrones deutlich attraktiver. Über die Arbeit haben beiden ein paar Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Für mehr als einmal auf den Weihnachtsmarkt zu gehen und zweimal Fußballgucken hat es bisher aber nicht gereicht.

Die beiden lieben sich und genießen die Zeit zu zweit sehr. Aber manchmal fehlen ihnen doch die guten Freunde und Freundinnen, mit denen man unkompliziert losziehen kann, denen man nicht viel erklären muss.

Auch Christina und Mark haben neben der Arbeit vor allem sich selbst. Dabei sind sie extra in Franken wohnen geblieben. Doch viele der alten Freunde sind weggezogen. Und seit beide Vollzeit arbeiten, hat sie es nur selten zum Kirchenchor und er kaum zur freiwilligen Feuerwehr geschafft.

Viele Menschen fixieren sich in ihrer Lebensplanung und im Alltag immer stärker auf ihre Paarbeziehung. Ein Grund: Ob Hollywood-Film oder Songtext – häufig lautet die Botschaft Wir brauchen nur uns zwei oder Wir gegen den Rest der Welt.

Aber kann der Partner, die Partnerin, wirklich immer alles sein? Feurige Liebhaberin, witziger Clown, beste Freundin, Seelsorger, Trinkkumpanin, Fünf-Sterne-Koch, Lebensberaterin für die großen Träume und die Hausratversicherung? Alles in einer Person vereint und immer zur passenden Zeit? Wohl kaum!

Wie gut, dass das Leben um uns herum andere Menschen bereithält. Darunter ja auch einige (zukünftige) Freunde...

Paare, die es schaffen, neben ihrer Beziehung auch Freundschaften zu pflegen, sind als Paar glücklicher miteinander. Denn: Weil du mir eben nicht alleine alles geben kannst, was mein Leben bereichert, lastet auf dir auch kein Druck, wenn ich auf das Konzert der Lieblingsband mit dem Kumpel gehe. Du wärst ja sowieso nur mir zu liebe mitgekommen. Und da ich auf Städtetrips wenig Lust habe… vielleicht ziehst du besser mit deiner besten Freundin durch die Bars in Barcelona.

Ganz klar: durch enge Freundschaften kann auch mal Neid entstehen. Manchmal habe ich vielleicht das Gefühl, dass du mit deiner besten Freundin in einer Art und Weise über Dinge sprichst, in der ich das mit dir nicht kann. Ihr beide habt eure Erfahrungen gemacht und da ist eine eigene Welt entstanden, zu der ich nur begrenzt Zutritt habe.

Hier ist es wichtig zu wissen: eine intensive Freundschaft ist erst einmal kein Grund für Eifersucht oder Misstrauen. Denn das Klischee, dass die Liebe meines Lebens alle Bedürfnisse ein ganzes Leben lang bedienen und erfüllen muss, hat nichts mit der Realität zu tun.

Es hat sich gezeigt, dass Freundschaften die Ehe besonders dann bereichern, wenn es sowohl gemeinsame Freunde gibt, als auch solche, die vor allem Freunde von einem der beiden sind. Wenn man neu in der Stadt ist, ist die Herausforderung natürlich, diese Freunde auch zu finden.

Klar, dank steigender Mobilität sind auch die alten Freunde erreichbar. Aber Menschen vor Ort zu denen man mal eben hingehen kann, haben nun mal ihre eigene Qualität. Deshalb ist es gut, sich immer mal wieder gegen Game of Thrones zu entscheiden und für einen Familienkreis in der Kirchengemeinde, für den Sportverein oder eben auch für den Abend mit den Kollegen.

Die ersten Schritte benötigen Energie und Aufraffen. Doch heißt es oft nach ein paar Jahren: Stell dir vor, ich wäre damals nicht mit zu ... gegangen. Dann hätten wir uns nie kennengelernt.

Wie sehr wir leuchten
Du kennst mich viel zu wenig
Doch ich war dir noch nie so ähnlich
Wir tragen und wir machen
Doch schon jetzt die selben Sachen

Unter Freunden geht das klar

Du kennst jetzt meine Art zu schreiben
Doch kennst du auch meine anderen Seiten?
Manchmal glaube ich, ich könnte
Durch deine Augen meine Hände sehen
Und deinen Tag begreifen
Und deinen Heimweg gehen

Ich bin dein Freund
Ich bin dein allerbester Freund
Was muss noch passieren
Damit irgendwer bezeugt:

Wie sehr wir leuchten
Wenn wir laufen auf unserem Kiez, auf unseren Straßen
Bis hoch in alle Häuser rauf
Und runter in den Hafen durch die Nacht.

Gloria

Meins – Deins – Unseres

Es gibt viele Orte, an denen man gut etwas mit anderen zusammen machen kann. Einige sind vielleicht für euch beide etwas, einige nur für einen von.

Das Gemeinschafts-Game funktioniert so: jede und jeder von euch notiert auf einem Zettel hinter jedem der untenstehenden Orte ein zusammen, du alleine, ich alleine oder du und ich alleine. Je nachdem, für wen von euch das ein Ort ist, an dem ihr mit anderen etwas macht. Danach werden die Einschätzungen verglichen und drüber gesprochen.

  • Partei
  • Sportverein, Musikverein, ...
  • Kirchengemeinde (Gottesdienst, Pfarrgemeinderat, Lektorendienst, Familienkreis,...)
  • Soziale Initiative (Flüchtlingshilfe, Obdachlosenhilfe,...)
  • Veranstaltungen in einer Familien- oder Jugendbildungsstätte (zu Ostern, Auszeitwochenenden für Paare,...)
  • Diskussionsabende in der Volkshochschule
  • Selbst etwas Neues starten
  • Musik (eine Band gründen, einem Chor beitreten)
  • Auf ein Festival fahren
  • Kindertagesstätte/ Schule der Kinder

Gottes Segen über die Menschen um uns,
mit denen wir die Momente teilen,
die uns die Welt bedeuten,
mit denen wir die Phasen durchlaufen,
die ohne sie noch schwerer oder weniger schön wären,
mit denen wir die Gespräche führen,
die umso wichtiger werden,
je schwerer wir beide es gerade haben.

Gottes Segen über uns beide,

dass wir liebende Blicke für unsere Freunde haben,
sie auch als (S)ein Geschenk verstehen,
dass wir offene Arme für sie haben,
die sie umarmen aber auch mal mit anpacken können,
dass wir starke Beine haben,
die alles mit ihnen durchstehen,
dass wir gespitzte Ohren haben,
für das was sie bewegt und trägt,
dass wir für sie die passenden Worte auf den Lippen tragen:

Sprüche und Zusprüche.

Und, dass wir sie nicht nur als WIR wahrnehmen,
sondern auch als ICH und als DU.

David Walbelder